Ich möchte Fashionblogger werden. Was früher die Traumberufe junger Mädchen wie Krankenschwester, Friseurin oder Kindergärtnerin waren, sind heute Blogger, Youtuber und Co. So richtig bewusst wurde mir das Ausmaß erst, als mich mein damals 11-jähriger kleiner Bruder auf meinen Instagram Account ansprach und er meinte, ob ich nicht auch ein Star werden möchte. Versteht mich nicht falsch, die Vorstellung ist gar nicht mal so schlecht. Man bekommt Geld für das, was einem Spaß macht und Klamotten und Co zugeschickt. Für einen Außenstehenden sieht das nach leicht verdientem Geld aus. Und vor allem für heranwachsende Jugendliche klingt das Geschäft sehr lukrativ. Aber nicht nur die vermeintlich vielen Blogger preisen ihren Traumberuf auf den verschiedensten Social Media Kanälen an, auch die Wirtschaft macht mit. Es gibt unzählige Unternehmen, deren Dienstleistung es ist, wie man ein perfekter und erfolgreicher Blogger wird. Nicht zuletzt gibt es mittlerweile sogar Studiengänge, die genau diese Thematik aufgreifen. Wo neues entsteht, gibt es natürlich immer viel Spielraum für negative Kritik. Aber muss denn immer gleich alles ins Negative gezogen werden oder gibt es auch positive Seiten an dem ganzen Blogger – Ding?

Was macht eigentlich ein Fashionblogger? 

Um die Frage beantworten zu können, müssen wir die Frage was ein Fashion Blogger eigentlich ist, erst einmal beantworten. Es steckt nämlich viel mehr, als schnell ein paar Bilder knipsen und sie online zu stellen, dahinter. Bis heute wird das Bloggen von vielen immer noch als reines Hobby bezeichnet. Schreiben, Fotografieren und Events besuchen, hört sich ja kaum nach einem 40 Stunden Job an. Vor ein paar Jahren als die ersten Blogs entstanden, hatte wohl kaum einer die Vorahnung, dass sich mit dem Bloggen später vielleicht einmal Geld verdienen lässt und sogar der Lebensunterhalt damit finanziert werden kann. Als ich mir damals mit jungen 15 Jahren meinen Blog mit einer Freundin eingerichtet habe, ging es uns vor allem darum unsere Bilder die wir machten zu veröffentlichen. Nicht, dass wir damit vielen Menschen erreichen wollten. Es machte uns einfach Spaß uns gegenseitig zu fotografieren und dazu Texte zu schreiben. Wir entschieden uns also für super sinnlose Blognamen, die Zeilen unserer Lieblingslieder enthielten und bloggten einfach drauf los. Zu dieser Zeit gab es schon einige Blogs, aber wir kannten niemanden der damit Geld

Doch mit der Zeit kamen immer mehr Blogs dazu und auf einmal verdienten auch eine Handvoll ihr erstes Geld damit. Bis heute bloggen Mädels über neue Trends der großen Modemarken, ihre Outfits, Reisen und natürlich auch coole Events. Aber Fashion Blogger arbeiten nicht mehr nur für ihre eigenen Blogs. Auch Firmen sind auf den Hype aufmerksam geworden und kooperieren mit ihnen. Sind Blogger denn jetzt die neuen Journalisten? Wenn diese Frage einem Journalisten gestellt werden würde, wäre dieser mit Sicherheit ziemlich eingeschnappt. Leider sind die meisten Journalisten nicht so gut auf Blogger zu sprechen, da sie in einer gewissen Art und Weise ihnen den Job wegnehmen. Denn das besondere an Bloggern beziehungsweise Fashionbloggern ist, im Gegensatz zu Journalisten, dass es hier meistens um die Person selber, die Persönlichkeit geht. Bei einem Blogger bekommt man das Gefühl von Nähe und Erreichbarkeit. Journalisten schreiben dagegen meisten für ein Magazin oder eine Zeitung und stehen selber nicht groß in der Öffentlichkeit. Somit ist das Besondere, dass der Leser das Gefühl hat, es ist ein Mädchen von nebenan. Sie können sich mit der Person im Internet identifizieren. Durch dieses Phänomen gelingt ihnen eine viel persönlichere Art von Beziehung zwischen Blogger und dem Leser.

© Ann-Kathrin Tillmann All rights reserved
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Sprungbrett oder Sackgasse?

Ist der Fashionblogger in der Modeszene nun angesehen oder nicht? Wo wird es hingehen, wenn die Gesellschaft immer weniger liest und auch Blogs immer weniger Interaktion aufweisen können? Es gibt immer wieder Phasen, in denen sich Blogger beschweren, dass sie wenig Reaktionen auf Blogbeiträge bekommen. Wo früher noch bis zu 300 Kommentare standen, können heute diese mit einer Hand abgezählt werden. Durch die vielen schnelllebigen Plattformen wie Instagram, Snapchat und Co erscheint vielen die Arbeit in einen Blog zu stecken, sinnlos. Jedoch macht genau diese Beschleunigung den Blogger so interessant für Firmen. Du brauchst mittlerweile keinen Blog mehr, um im Social Media Bereich eine große Nummer zu werden. Es hat schon einen guten Grund, weshalb vor allem Fashion Blogger zu Modeshows eingeladen werden und zu all den tollen Events. Das Publikum ist immer up to date. Es wird gepostet im Hier und Jetzt. Die Artikel oder Bilder müssen nicht vorher noch in einer Redaktionssitzung besprochen werden, weshalb genau dieses Phänomen so gut funktioniert.

Es ist in irgendeiner Art echt. Worüber sich natürlich auch wieder gestritten werden kann. Aus diesem Grund ist der Erfolg eines Bloggers ein riesen Sprungbrett. Auch wenn ein klassischer Blog vielleicht mal in naher Zukunft nicht mehr so gut funktionieren wird, die Social Media Kanäle schaffen enorme Reichweiten, was einem viele lukrative Jobs einbringen kann. Nicht zuletzt verdienen Blogger wie Chiara Ferragni, mit ihrem eigenen Label Millionen von Euros. Oder auch Kristina Bazar ist das Gesicht von großen Modemagazinen und Beauty Marken. Es ist nur wichtig, früh genug damit anzufangen und zu wissen wie man sich beziehungsweise seinen Blog am besten vermarkten kann. Denn eine gute Vermarktung ist in diesem Business das A und O. Denn auch mit einer geringeren Reichweite, lässt sich durch Kooperationen mit Marken Geld verdienen.

Was überwiegt? Positivität oder Kritik?

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Egal wie oft ich negative Äußerungen über Blogger und Co höre, im Endeffekt überwiegt bei mir das Positive. Ich finde es schade, dass ich in der heutigen Zeit komisch von der Seite angeschaut werde, wenn ich davon berichte, dass ich selber einen Blog besitze und darauf Bilder und Texte veröffentliche. Denn letztendlich, ob man es glauben mag oder nicht, steckt viel Arbeit und Zeit dahinter. Ich für meinen Teil, habe mich lange Zeit immer wieder abschrecken lassen und berichte auch heute noch nicht gerne darüber. Aber was ist schon dabei?

Ich finde es toll, dass wir in einer Zeit leben, wo all das möglich ist. Wo aus einem Hobby ein Beruf werden kann. In den wenigen Jahren, seitdem ich meinen Blog besitze, wurden mir tolle Dinge ermöglicht. Ob es mein erstes selbstverdientes Geld war oder eine tolle Einladung zu einem Event, bis hin zu meinem absoluten Highlight die Berliner Fashionweek. Ohne meinen Blog wäre ich wohl nie zu der Ehre gekommen, einmal eine Runway Show live sehen zu können. Das Alles scheint für Außenstehende meist oberflächlich zu sein, aber wenn einmal genauer hingeschaut wird, gibt es wirklich tolle Blogger, die tagtäglich einen super spannenden Content produzieren. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren in diesem Bereich noch einiges verändern wird und die Gesellschaft den Job als Blogger anerkennt.

Egal welchen Anschein manche Fashion Blogger oder allgemein Blogger vermitteln, es sollte doch jedem am Ende möglich sein das zu machen worauf er Lust hat. Natürlich gibt es einige Punkte die auch ich fragwürdig finde, wenn Produktplatzierungen nicht gekennzeichnet werden oder jüngeren Kids das Gelbe vom Ei erzählt wird. Aber ich denke auch hierfür wird es in den nächsten Jahren noch einige Veränderungen geben. Ich sehe eher das Problem darin, dass viele Unternehmen auf den Hype aufspringen wollen und dadurch Kurse wie “Wie werde ich Blogger”, “So wirst du der neue Youtube Star” oder Studiengänge wie “Social Media TV” entstehen, die genau darauf abzielen. Niemand sollte mit dem Bloggen anfangen, weil er dadurch groß rauskommen möchte oder damit unmengen an Geld verdienen will. Ich fände es wirklich schade, wenn es sich immer mehr in diese Richtung drehen würde. Schon jetzt ist es schwierig als kleiner, nicht so reichweitenstarker Blog, in den Massen von Bloggern, Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn letztendlich ist es die Leidenschaft fürs Bloggen und der Spaß daran genau das, was einem Blogger am Ende Erfolg bringen wird.

Wie ihr seht, bin ich dem Thema gegenüber trotz allem sehr positiv gestimmt und bin gespannt was ihr von dem Thema Bloggern und Co haltet. Lasst mir doch gerne ein Kommentar da und berichtet von euren Erfahrungen. 

Eure Ann-Kathrin

 

Wir sind sehr stolz auf unseren ersten Gastbeitrag, der von einer so talentierten und erfahrenen Person wie Ann-Kathrin kommt. Vielen Dank, dass wir deinen tollen Artikel auf Oh Zone teilen dürfen :* Wer mehr von Ann-Kathrin wissen möchte, schaut unbedingt auf ihrem Blog und Instagram vorbei!

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