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Rückblick:
Samstagmorgen: Nach einem langen Frühstück und dem folgenden, süßen Nichtstun (Il dolce far niente),  plane ich meinen Tag.
Einige WhatsApp Nachrichten später, steht ein Termin fest. 15 Uhr Kaffee mit einer Freundin im Lieblingscafe. Da ich die komplette Woche nur gerade so pünktlich zur Arbeit geschafft habe, entscheide ich mich heute  dazu, mich ein wenig „hübsch“ zu machen.
Mac Book an, Youtube-Search: „Natural Everyday Make-up Look“. 5.000 Videos stehen mir zur Verfügung.

Am Frisiertisch trage ich selbstverständlich meinen Primer auf, wie es auch die absurd schöne junge Frau im Tutorial macht. Schritt für Schritt, klappere ich meine überteuerten High-End-Make-up Produkte ab. Natürlich sollte man diese Produkte, nicht in Übermengen besitzen. Um das schlechte Gewissen zu bereinigen, hat man auch noch diverse Naturprodukte im Besitz (Ich weiß es geht den meisten so). So zuallerletzt die Lippen und fertig ist der Look!

Huch, wie sehe ich denn aus?! Ich betrachte mich näher und erkenne mich kaum noch mehr. Ich werde das Gefühl nicht los, eine Maske zu tragen und sogar älter auszusehen. Wie jedes Mal, packe ich ein Abschminktuch hervor und entferne sorgfältig die Last aus meiner Haut. Rötliche Haut scheint hervor. Unreinheiten aus meiner Jugend, die nie so richtig verschwunden sind. Nachdem ich mein Gesicht gewaschen und eine beruhigende Hautcreme aufgetragen habe, sehe ich in den Spiegel. Das Komische dabei ist: Ich fühle mich schon viel besser als davor.

Ausblick:
Vielleicht liegt es auch wirklich daran, dass ich mich einfach nicht schminken kann :D. So traurig das auch klingen mag ich besitze wirklich, für meine Verhältnisse, viele Produkte und kann mit diesen überhaupt nichts anfangen.
Ich muss  aber auch gestehen ich kann mir kein einziges Make-up Tutorial mehr ansehen. Ich will überhaupt keine krassen Contouring-Wandlungen auf Instagram sehen. Es ist alles einfach zu viel. Zu viele Make-up Tutorials, zu viele Produkte. Spaß macht es mir schon lange nicht mehr. Wann ist aus Kylie Jenner und Co. das Schönheitsideal geworden. Wann ist überhaupt dieser Make-up-Wahn so sehr ausgebrochen. War das schon immer so? Und hier geht es auch nicht um das Konsumverhalten und die tägliche Verführung. Für diese Gedanken benötige ich noch einen separaten Beitrag und noch mehr Selbsterkenntnis, wie ich damit umgehen sollte.
Make-up sollte doch die eigene Schönheit noch mehr hervorbringen. Die Lippen sollten nur einen Tick roter wirken, die Wimpern nur einen Tick dunkler und die Wangen etwas rosiger. Und nicht Wangenknochen schminken, wo eigentlich keine sind. (Und ja, ich mache es auch zu besonderen Anlässen, so gut wie ich es nur kann. 😀 )

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Aber die Frage ist doch: Wieso ist Make-up ein Schutzschild für unser „wahres“ Ich geworden? Ist es nicht total unnötig, dass wir uns davor fürchten, dass Menschen unsere Mängel sehen? Ich weiß, wie wir alle davor Angst haben auf der Arbeit, Uni oder Schule aufzutauchen und die erstaunten  Gesichter mit der Frage: „Geht’s dir gut? Du siehst krank und erschöpft aus.“ zu sehen.
Aber bis auf das haben wir doch alle Menschen um uns herum, die uns vergewissern, dass wir so wie wir sind viel schöner sind, oder? Das zählt für mich mehr. Lange Zeit habe ich mich sehr unwohl gefühlt, dass man die roten Stellen und Pickel auf meinem Gesicht sehen kann. Mittlerweile denk ich mir, „es ist halt so, ich muss das nicht jeden Tag abdecken.“

Druck aus den sozialen Medien

Ich bin regelrecht schockiert, wenn ich junge Mädchen in der Bahn sehe, die so stark geschminkt sind und ihrem Alter nicht mehr entsprechen. Unter was für einem Druck müssen diese Mädchen stehen? Sie werden förmlich bombardiert von Informationen aus dem Netz.  Von Frauen, die als Vorbildfunktion stehen und sich rekonstruieren. Aber nicht nur 13-Jährige stehen unter diesem Druck, sondern eine Menge Frauen. Von uns wird soviel erwartet. Möglichst wenig Make-up tragen, da Mann eine „natürliche“ Frau an seiner Seite haben will. Und wenn man sich endlich mit dem #noMakeUp Look aus dem Haus wagt, gilt man schon als krank im Sterbebett. Also was sollen wir denn machen?
Es reicht ja schon, dass wir unsere digitalen Verbindungen mit dem perfekten „Highlight on Fleek“ Selfie beeindrucken möchten. Aber wieso auch noch in der realen Welt. Und wie in aller Welt finden diese Menschen, die Zeit dazu? Ich bin schon froh, wenn ich morgens aufstehe und einigermaßen meine Augenringe abdecken kann.

Ich will wirklich niemanden angreifen, wenn das so rüber gekommen ist. Es ist auch wirklich eine Kunst sowas zu beherrschen. Aber für mich klappt das nicht jeden Tag.
Doch so ganz verabschieden kann ich mich auch nicht. Ich habe eine Art für mich gefunden, mit der ich klarkomme und mich wohl fühle. Und das ist das wichtige. Ich will nicht jede Woche in die Drogerie rennen und die Regale nach den neuesten Produkten durchstöbern. Hat irgendjemand überhaupt noch ein Überblick da? Wie schon gesagt: Es sind zu viele Produkte! Zu viele in unseren Schränken zu Hause. Rausgeschmissenes Geld für Produkte die wir zum 100. Mal schon besitzen. Deshalb halte ich mich seit einigen Monaten zurück mit dem einkaufen. Ich bin oft in Versuchung geraten, die ein oder andere Palette zu bestellen. Ich bin froh darüber, dass ich es nicht gemacht habe!

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Less is more

Ich habe Produkte gefunden, mit denen ich klarkomme. Nicht viel davon brauche und immer noch ich selbst dabei bin. Mehr will ich und brauche ich nicht. Bis auf besondere Anlässe. Da kann ich mich wieder an meinen mangelnden Make-up Künsten austoben. Vielleicht gefalle ich mir oder ich wische wieder alles ab. Wer weiß.  Jeder hat eine besondere Schönheit auf seine eigene Art. Man sollte das Erkennen und diese Stellen betonen.
Ich würde ja gerne den Beitrag mit einem schlauen Satz beenden und ein versprechendes Fazit geben. Tatsache ist, es bleibt selbst für mich offen. Ich weiß nicht wie lange ich mich so wohl fühlen werde, ob es nur eine vorübergehende Phase ist.

 

 

Wie sieht ihr das eigentlich? Seid ihr auch der Meinung, dass es in letzter Zeit irgendwie zu viel wurde? Egal wo wir hinsehen verfolgt uns der ganze Schönheits-Content.
Fühlt ihr euch an Tagen mit #noMakeUp wohler oder stören Euch die Blicke der anderen?
Ich bin gespannt, wie ihr dazu steht und ich hoffe, es war wieder nicht ein Jammer-Beitrag 😀
xoxo Drama-Queen Berna, out. :*

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